Zurgon

Am Horizont in Wolkendunst

liegt ein Berg von Schnee bedeckt.

Es heißt der Götter Kriegeskunst

werde dort in uns erweckt.

Die Reise nur dem Tapf’ren glückt

der das Ziel im Auge hält.

Jeder Andere wird verrückt,

bald am Stein zerschellt.

Doch vertreibst Du alle Schatten

erschlägst Du jedes Ungetier,

durchdringst der Bestie Schuppenplatten

gehören alle Schätze Dir.

Waren Reste, Staub und Gold Dein Ziel

so sei die kurze Freude Dir gewährt.

Überliefern wird der Federkiel

Legenden mit viel höh’rem Wert.

So steig hinauf zur Götterkrone

überwind‘ das Eis der Ewigkeit.

Schau die Schöpfung von dem Throne:

Zurgon – Olymp der Tapferkeit!

Flüchtig

In Winterzeit, Blumen fallen.
Duft aus fernen Landen
erfriert in kalten Hallen.

Wer schlägt der Unschuld tiefe Narben
und ignoriert ihr Stranden?
– Wir leben Leben, ohne Farben.

Nicht Schnee von gestern, Schnee von heute
bringt sie all‘ zu schanden.
Und wir erfreu’n uns uns’rer Beute.

Duft wird faul in uns’ren Gärten,
Triebe müssen je versanden,
weil wir Halt verwehrten.

Kalendergedichte

Oktober
Von hoch droben hab ich die Welt geseh’n,
über Berge und Täler hinweg,
Nebeldurchzogen, Zivilisationen bedeckt.
Sucht’ schweigend zu versteh’n,
was Einsam- und Geselligkeit,
Fernweh und Geborgenheit.
Freiheit ist Gefühl und Sehn’n
ist Erreichen eines Gipfels, nach dem Tal,
und unser Denken, manchmal…

 

 

November
 
Ich würd gern so weinen können, wie es der Regen tut,
und Lebendiges von Totem lesen.
Ich würd gern so reisen, wie es die Winde tun,
um mich und andere zu bewegen.
Ich wäre gern so bunt, wie es die Blätter sind,
und frei von jedes Menschen Gedanken-Lade.
Ich wäre gern so wie der Herbst,
um als malerischer Widerstand den Winter neu zu koreographieren.

 

Dezember
Ich warte auf den Schnee –
damit er bedeckt, was nicht schmelzen kann.
Kristallene Schleier zeugen Unwirklichkeit
Melancholie baut Fragen in dunste Atem
Kälte bohnert die Gedanken
Weiß spendet Ruhe in Reflexionen
Ich warte auf den Schnee –
damit er bedeckt, was nebensächlich ist.

Der Begleiter

Lebenslang begleit ich Dich,
durch Glück und Nacht, durch All- und Tag.
Vermissen brauchst D‘ mich ewig nicht,
auch wenn’s Dir oft so scheinen mag.
Später ist die Schönheit licht
Dann bist es Du, der nach mir fragt.
Geh’ mit mir Hand in Fuß als Würze Deines Lebens,
denn ohne mich suchst Du Freud’ vor Leid vergebens.

Für Dich!

Manchmal ist Lachen – Sonnenschein,
Oder Schmetterlinge, wenn ich mit Dir über Blumenwiesen toll.
Manchmal ist Lachen – Harmonie,
Oder Sternenregen, weil Glück uns beide bindet.
Manchmal ist Lachen – Vielsamkeit,
Oder Euphorie, da Fantasie uns Kinderträume leben läßt.
Manchmal ist Lachen – Fliegen,
Oder sich selbst ein Witz, wenn wir uns ausgelassen biegen
Und jeder lustig ist.
Manchmal ist Lachen – Zärtlichkeit,
Oder Balsam, mit dem meine Seele in Dir ruht.
Und manchmal ist das Lachen ein Engel,
denn mein Lachen bist Du!

Nun ist’s still

Nun ist’s still
Zeit gerinnt
Erinn’rung bleibt
Auch ich war Kind.
War Schwester, Tochter
verspielt und wild
hatte Träume
und ein Bild
von mir als Diva:
Rampenlicht.
So war mein Leben
Und ich traf Dich.
Mein stattlicher Mann,
Heldentenor,
verwöhntest mich
wie nie zuvor.
Im Presto klang
unser Glück dahin
im Bahradies –
bald bei dir bin!
Was kann ich außer danken?
Mein Leben ist es wert.
Verlass ich nun die Hülle
in Frieden,
unbeschwert…

Vergangenheit

Schlafend stehst du vor mir- herbe Süße
Ohne Atem gebierst du lose Schwere- absolute,
die ich nur in vino veritas durchschaue- verdaue.

Vergangenheit- wird die Zeit,
die Dir bleibt, den Weg beschreibt.

Führ ich deine blutend Augen saugsam,
durch meiner Momente- Sagen.
Verklärte Visionen flüstern Versuchung,
Urteil zu geben über Leben, über Fehler, über Zukunft- Vernunft.

Vergangenheit ist die Zeit,
die dich treibt, Erfahrung zeigt.

Verkrampft dein Wehmutsgriff- der schönen-,
Verblättert deine Bildersammlung- der schlimmen-

Vergangenheit…

Gaya

Flüssen gleicht ihr Haar, das Wunderlachen säumt,
und Wolken von den Sternen nimmt,
die in ihrer Augentiefe klar erglüh’n.

Starr bin ich vor Staunen und kindlicher Bewunderung,
während sie mit mir durch Blumenwiesen tanzt.
Seh´ ich stille Anmut in der Nacht und wilde Schönheit am Tag,
vereint in ihrer grenzenlosen Seele, die bezaubernd mich berührt,
wärmt und küssend neu gebiert
mit ihrem morgenroten Mund.

Sonnenwarme Hände blättern auf mich nieder,
decken meinen Schlaf aus Glück,
darin Liebe mich zu neuem Tanze eint…

Jugendliebe

So weich die Haut.
So warm der Schlag
deiner pulsierenden Nähe.

Jeder Millimeter – Wunder.
Jede Rundung – Verlangen
nach Gedankenlosigkeit.

Dein Körper – Bogentanzt
zu Lied von Licht und Schatten.
Dein Mund mir Schmerzen lacht,
würd‘ nie ein‘ Kuss gestatten.

Vergib den Wunsch noch mehr zu sein,
erfüllt er uns mit Leere.
Jedes Gefühl ist wie ein Schrei’n.
Ich Papier, Du Schere.

Gern‘ wär‘ ich mit Dir noch Kind.
Gefangen sind wir, wie wir sind.

Verschlossene Schatten

Tot die Häuser, einsam der Wind.
Kein Sein, kein Tun, wohin ich auch seh´,
nur starre, grelle Elektrizität
fließt unsichtbar von Mast zu Mast
ununterbrochen und gerichtet,
den Schienen gleich mit ekeligem Nass.

Hör ich die Schritte, unter mir, über mir, neben mir,
das Echo ist Laut in den nächtlichen Gassen,
und dröhnt empor zu dunsten Gewölk, sich wandelnd in dunkle Fensternis,
Verkrieche ich unter dem Matsch die Straßen entlang,
umgeben von Rissen spür ich den Drang, verfolgt von den eigenen Sohlen,
fühl ich die Fenster johlen,
schmeck ich sie weinen ganze Pfützen,
die frech mir ins Gesichte spritzen,
–AUS
nur ein einziger Ton kommt näher und näher,
bald hat er mich schon –
und hat mich! – und läßt mich wieder?!
Warum? WARUM?! – zu stark sind die Glieder,
die Beine die Feinde,
führen mich an betonierten Bäumen vorbei
Schritt – aus, Schritt – ein, wie ein Schalter – es ist einerlei,
denn die Zeit, die Zeit geht vorbei!
Geh Ich? Gehst Du? Wer Geht? Man Steht!
Vor Verschlossenen Schatten.

Ackerfleisch

Düngt meinen Körper mit Schuld
Reißt ihn auf mit euren Blicken
Wälzt mich um mit euren Worten
Pumpt eure Samen in mich rein

DurchFurcht,
platzt mein nackter Unterleib,
gebärend kalte Kinder,
die eure stummen Schreie teilen.

So bestellt gefall ich euch –
winselnd, besäht –
grinsend beseht –

euer Ackerfleisch sterbenden Geistes.

Adam und Eva neu erzählt

Wir sitzen gern auf einem Ast,
wie es uns gerade paßt,
irgendwo im Lebensbaum.
Wann traf es uns? – ich weiß es kaum.

Wir bauten uns ein Haus hier oben,
die Euphorie: mit eingezogen.
Sitzen davor mit baumelnd Beinen,
lauschen Vögeln und uns beiden.

Ja was könnt es schön´res geben als von der Liebe satt zu werden?
Wir teilen uns den ganzen Baum und alles Glück auf Erden!

So dacht ich zumindest idealistisch,
aber Du warst nicht so kommunistisch,
wolltest unterhalten sein,
Dein Bein schlief Dir beim baumeln ein,
bekamst tiefe Falten ins Gesicht,
Nein, so was macht man nun wirklich nicht!

Obst und Zeit schlug sich auf Mägen,
Du – begannst an uns zu sägen.
Ich wollte lieber klettern gehn,
doch unser Baum war nicht mehr schön.

Als ich in Gedanken schwelgte,
Warum? Wieso? das Glück nun welkte,
da lachtest Du: „Ich hab´s geschafft!“
und es knarrte unser Ast.

Manche Menschen müssen eben,
direkter, bodenständig leben.
Unser Fall war hart und mies,
– die Säge auch mal Schlange hieß.

Mondscheinpause

Der Frieden wartet noch
in einer Welt, die unbeschrieben bleibt.
Seufzend wieget sich das Feld,
in Wind und Abendkleid.

Und die gute alte Silberscheibe strahlt wie eh und je,
ihr ist’s vollkomm’n schnurz egal, wann ich komm und geh.

Wär da nicht die kurze Ruh‘
in der ich halt‘ und staune,
Leben hielt ich für ’nen Schuh,
der ausgelatscht nach Laune.

Der Ausweg

Es gibt in Zeiten von Krieg und Hass
`nen Ausweg! Na wie findste das?
Statt Schädel- und Gewissensspalten,
kannst Du Dich human verhalten.

Da triffste Dich in großer Runde,
Fichtst mit dem Schwert in Deinem Munde!
Zu wenig Grips? Da musste blaffen!
Das ist wie Drohn mit bessren Waffen.

Klar fließt beim Reden wen’ger Blut,
da nimmste Rotwein, der tut gut!
Eh’ man `nen Kompromiss gefunden
Wandern Flaschen ein’ge Runden.

So ist erheitert, wer sonst tot,
die Völker trunken, ohne Not.