Liebesgeschichte

Es fing an einem sonnigen, aber kalten Sonntagmorgen an. So eine Kälte, wisst ihr, die kleine Eisblumen an die Fensterscheiben malt und wo man sich zweimal überlegen muss was man denn am besten anzieht um es draußen nicht zu kalt und drinnen nicht zu warm zu haben.

Als ich dann endlich meine morgendlichen Entscheidungen alle hinter mir hatte und ich bereits die behagliche Wärme der Kaffeetasse in meinen Händen hatte, überprüfte ich noch mal meine Einladung: ‚Congress de gestion de l’environnement’ Montag – Freitag 10.-14. Februar 2014, Nimes, Frankreich; Teilnehmer: Francois Latent.

Soweit so gut. Das Zugticket für den Schnellzug, den TGV, hatte ich auch in der Brusttasche, also konnte es losgehen.

Ich folgte meinem dampfenden Atem bis zum Hauptbahnhof Amsterdam und setzte mich auf meinen reservierten Platz.

Nun könnte ich erzählen, dass ich meine Liebe bereits romantisch im Zug traf, aber dem war nicht so. Geschichten können fiktiv oder wahr sein, – der Leser entscheidet was er wahrhaben möchte.

Ich fahre schon mein Leben lang Zug, so fühlt es sich zumindest an, und jedes Mal ist es mir nie langweilig, wenn man einfach so den Gedanken freien Lauf lässt und die Landschaft an einem vorüber zieht und schließlich wie ein Baby in den Schlaf gewiegt wird.

Und eh’ ich mich versah war ich im Süden Frankreichs, in Nimes, das haben Schnellzüge wohl so an sich.

Ich ging zu meinem Hotel, es war schon seit ein paar Stunden dunkel, legte meine Tasche und meine tausend Kleidungsschalen ab, die ich am Morgen so bedacht ausgesucht hatte und nahm erstmal eine heiße Dusche. Das ist so eine Eigenart von mir geworden. Irgendwie errichtet man sich automatisch seine kleinen Rituale wenn man viel unterwegs ist, wahrscheinlich um eine gewisse Stabilität nicht zu verlieren. Aber ich komme vom Thema ab. Ihr wolltet ja etwas über die Liebe lesen und nicht über Francois’s Reisegewohnheiten.

Also, nach einer kurzen nächtlichen Erkundungstour von Nimes, brach ich am folgenden, nicht mehr ganz so kalten Morgen (denn schließlich sind wir ja im Süden Frankreichs), zur Konferenz auf um mich als Teilnehmer zu registrieren.

9 Uhr begann der erste Vortrag, es war 8:50, perfekt, genau noch genug Zeit für einen französischen Kaffee. Gesagt – getan, und auf zum Vortrag meiner Wahl.

Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht mehr worum es da gehen sollte, was auch egal ist, denn ich kam sowieso nicht mehr hinein, das Zimmer war vollkommen überfüllt. Tja Pech. Also nehmen wir den nächstbesten Vortrag und das war meiner Meinung nach ‚Communication et marketing dans une entreprise de l’internet, what is there to improve in a company?’

Okaaay, ich gebe es zu, es war halt einfach die nächstgelegene Tür. Ich ging hinein. Und es lachte mich die Titelfolie mit einem lustig langen Namen der Präsentierenden darauf an: Anjarasoa Mariette Andrianantoandro.

Umso kürzer war aber die Vortragende selbst und während sie mit ihrem verlegenheits-überdeckenden Lächeln und ihren schlau funkelnden Mandelaugen vortrug und sich etwas nervös mit ihren zimtfarbenen Fingern in die Karteikärtchen grub, blieb für mich die Zeit stehen. Es sog mich in ihren Zauber hinein, und ich starrte wie ein Träumer auf Ihre schneeweißen Zähne und ja, auch ab und zu mal auf ihr Dekolletee. Hätte ich in vorderster Reihe gesessen, ich hätte sie gewiss mit meinem Glotzen aus dem Konzept gebracht.

Und ihre Stimme… so sexy, dieser französische Akzent ihres Englisch und so singend.

Schließlich, erwähnte sie, dass sie auch ein Poster habe und dort um 14Uhr stehen würde.

Wenn ich mir etwas aus ihrem Vortrag gemerkt hatte, dann diese Uhrzeit.

Ich ging aber nach dem Vortrag noch zu ihr und gratulierte ihr per Handschlag zu der guten Präsentation, und da fühlte ich auch wie weich ihre Haut war, wenn man das von einem Händedruck beurteilen kann. Ich konnte es.

Um 14 Uhr stand ich pünktlich (wie selten in meinem Leben) vor ihrem Poster und ich stellte Fragen zu ihrem Thema, die ich selbst kaum hörte, da meine Gedanken nur darum kreisten, wie ich wohl ihre Telefonnummer entlocken könnte, ohne dass es zu plump klang. Und jeder andere Besucher an ihrem Poster war wie ein Dieb, der mir meinen Zauber, meinen magischen Moment stahl.

Schließlich kam die bedrückende Stille in der wir beide nicht wussten, was wir sagen sollten. Also: „Kann ich Deine Nummer haben? Damit…“

„ Ja klar. Hast Du was zum Schreiben?“

Und ich nestelte blitzschnell mein Handy aus der Hosentasche.

„Du trägst Dein Handy in der Hosentasche?“

„Ähm, ja“

„Du weißt aber schon, dass man davon impotent werden kann, oder?“

„Ähm, ja?“

„Oui.“

Und sie lächelte ihr Zauberlächeln.

Ich liebe französischen Humor und ihre direkte Art.

Ich tippte also ihre Nummer in mein Handy und nicht nur das, sie sagte auch wir könnten uns am Abend zu einem Essen treffen. Oh mein Gott, perfekter ging es ja beinah nicht, oder!?

Also rief ich sie eine Stunde vorher an, keiner nahm ab.

Ich ging zu unserem Treffpunkt, ein Restaurant im Stadtzentrum. Aber sie war nicht da. Ich wartete ein paar Minuten…, dann erhielt ich eine SMS: Sie wurde spontan zum Essen mit einem Professor eingeladen und hatte meine Nummer ja vor meinen Anrufen nicht und blablabla.

Ich war verärgert. Dieses Szenario kannte ich schon viel zu gut.

Also war es wieder nur ein ‚freundliches’ Date. Aber wenn sie in mich auch so verliebt wäre wie ich, dann hätte sie doch den alten Professor aufgeschoben?

Ich schlenderte noch ein wenig durch die Stadt bis zu meinem Hotel, aß unterwegs 2 herzhafte Crepes, die meine Laune wieder etwas anhoben und schließlich war ein neuer Tag.

Dieses Mal schlief ich bis 10Uhr, denn ich war ja nur Gast auf dieser Konferenz und hatte keinerlei Verpflichtungen. Ein kurzer Blick auf mein Handy: 3 Nachrichten.

2 Entschuldigungen und ein Vorschlag: Sie würde mich heute Abend zum Essen einladen um es wieder gutzumachen.

Das war Musik in meinen Augen. Und freudig ging ich das Petit-Dejeuner an.

Der Tag kam mir recht lang vor bis es endlich Abend wurde und auch auf der Konferenz bekam ich sie nicht zu Gesicht, wie ich heimlich hoffte.

Ich rief wieder eine Stunde vor unserem abgesprochenen ‚Termin’ an, diesmal ging sie sofort ran mit ihrer französischen Stimme.

„Halo?“

Dieses eine Wort, und ich war schon wieder vollkommen hingerissen.

Wir trafen uns und redeten wie Wasserfälle, tranken aber Wein und lachten. Drei wunderbare Entdeckungen:

Sie singt wundervoll, sie ist aus Madagaskar, wo man immer so lange Namen hat und ihr Name Anjara, bedeutet Schicksal.

Ich offerierte ihr sie nach Hause zu bringen. Sie wehrte sich in keiner Weise dagegen. Und so gingen wir mit viel Knistern und Schmetterlingen die kleinen französischen Gassen entlang bis wir ihr Hotel erreichten. Bis wir die Stufen zum Eingang erreichten, bis wir den Fahrstuhl erreichten.

„Ich glaube von hier an komme ich sicher auf mein Zimmer“

„Ja.“

„Sehen wir uns morgen?“

„Ja.“

„Das war ein wunderschöner Abend, Alex.“

„Ja.“

Warum ich so monoton war, kann man sich sicherlich schon denken. Meine Gedanken drehten sich nur darum, den richtigen Moment für den ersten Kuss abzupassen.

Und schließlich schlang ich meine Arme um Ihre Taille und küsste sie auf ihren wunderschönen Mund. Es passierte so selbstverständlich und ich weiß auch nicht mehr wie viele Leute wegen uns die Treppe genommen haben. All das Knistern entlud sich im atemlosen Knutschen.

Irgendwann konnten wir uns dann doch mit viel Grinsen trennen und wie ein Gentleman habe ich in meinem eigenen Hotel übernachtet.

Die restliche Woche von Mittwoch-Freitag kam mir vor wie eine Flitterwoche. Wir sahen uns fast jede Stunde und sprachen über Gott und die Welt, aber noch öfter kamen wir erst gar nicht zum Sprechen.

Seit dem 14. Februar, Valentinstag, und dem Versprechen, dass wir zusammen alt werden wollen, haben wir uns nicht mehr gesehen, aber schreiben jeden Tag miteinander.

Wir sind beide gläubig und das hilft, denn wir wissen:

 

4 Die Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht neidisch oder überheblich, stolz

5 oder anstößig. Die Liebe ist nicht selbstsüchtig. Sie lässt sich nicht reizen, und wenn man ihr Böses tut, trägt sie es nicht nach.

6 Sie freut sich niemals über Ungerechtigkeit, sondern sie freut sich immer an der Wahrheit.

7 Die Liebe erträgt alles, verliert nie den Glauben, bewahrt stets die Hoffnung und bleibt bestehen, was auch geschieht.

8 Die Liebe wird niemals aufhören, selbst wenn Prophetie, das Reden in unbekannten Sprachen und die Erkenntnis vergehen werden.

1. Korinther, 13, 4-8

 

In diesem Sinne seid herzlich gegrüßt,

 

Euer Francois

Für Dich!

Manchmal ist Lachen – Sonnenschein,
Oder Schmetterlinge, wenn ich mit Dir über Blumenwiesen toll.
Manchmal ist Lachen – Harmonie,
Oder Sternenregen, weil Glück uns beide bindet.
Manchmal ist Lachen – Vielsamkeit,
Oder Euphorie, da Fantasie uns Kinderträume leben läßt.
Manchmal ist Lachen – Fliegen,
Oder sich selbst ein Witz, wenn wir uns ausgelassen biegen
Und jeder lustig ist.
Manchmal ist Lachen – Zärtlichkeit,
Oder Balsam, mit dem meine Seele in Dir ruht.
Und manchmal ist das Lachen ein Engel,
denn mein Lachen bist Du!

Gaya

Flüssen gleicht ihr Haar, das Wunderlachen säumt,
und Wolken von den Sternen nimmt,
die in ihrer Augentiefe klar erglüh’n.

Starr bin ich vor Staunen und kindlicher Bewunderung,
während sie mit mir durch Blumenwiesen tanzt.
Seh´ ich stille Anmut in der Nacht und wilde Schönheit am Tag,
vereint in ihrer grenzenlosen Seele, die bezaubernd mich berührt,
wärmt und küssend neu gebiert
mit ihrem morgenroten Mund.

Sonnenwarme Hände blättern auf mich nieder,
decken meinen Schlaf aus Glück,
darin Liebe mich zu neuem Tanze eint…

Jugendliebe

So weich die Haut.
So warm der Schlag
deiner pulsierenden Nähe.

Jeder Millimeter – Wunder.
Jede Rundung – Verlangen
nach Gedankenlosigkeit.

Dein Körper – Bogentanzt
zu Lied von Licht und Schatten.
Dein Mund mir Schmerzen lacht,
würd‘ nie ein‘ Kuss gestatten.

Vergib den Wunsch noch mehr zu sein,
erfüllt er uns mit Leere.
Jedes Gefühl ist wie ein Schrei’n.
Ich Papier, Du Schere.

Gern‘ wär‘ ich mit Dir noch Kind.
Gefangen sind wir, wie wir sind.

Adam und Eva neu erzählt

Wir sitzen gern auf einem Ast,
wie es uns gerade paßt,
irgendwo im Lebensbaum.
Wann traf es uns? – ich weiß es kaum.

Wir bauten uns ein Haus hier oben,
die Euphorie: mit eingezogen.
Sitzen davor mit baumelnd Beinen,
lauschen Vögeln und uns beiden.

Ja was könnt es schön´res geben als von der Liebe satt zu werden?
Wir teilen uns den ganzen Baum und alles Glück auf Erden!

So dacht ich zumindest idealistisch,
aber Du warst nicht so kommunistisch,
wolltest unterhalten sein,
Dein Bein schlief Dir beim baumeln ein,
bekamst tiefe Falten ins Gesicht,
Nein, so was macht man nun wirklich nicht!

Obst und Zeit schlug sich auf Mägen,
Du – begannst an uns zu sägen.
Ich wollte lieber klettern gehn,
doch unser Baum war nicht mehr schön.

Als ich in Gedanken schwelgte,
Warum? Wieso? das Glück nun welkte,
da lachtest Du: „Ich hab´s geschafft!“
und es knarrte unser Ast.

Manche Menschen müssen eben,
direkter, bodenständig leben.
Unser Fall war hart und mies,
– die Säge auch mal Schlange hieß.